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Hotel-Lobby
Geschichte

Der Beginn einer langen Hoteltradition…
von Paul Julen

Meine Grossmutter Pauline wuchs in einer Bauernfamilie - den Zumtaugwalds - im malerischen Weiler Findeln oberhalb von Zermatt auf. Freilich war der Weiler Ende des 19. Jahrhunderts noch sehr abgelegen, sodass die Kinder bei widrigen Schnee- und Wetterverhältnissen nicht hinunter in die Dorfschule geschickt werden konnten. Ihre bescheidene Schulbildung sollte Pauline jedoch später in ihrem Leben keineswegs daran hindern, als Gattin, Mutter und Geschäftsfrau Beachtliches zu leisten. Und das kam so:

Als die junge Pauline den Zermatter Andreas Julen heiratete, konnte sie nicht ahnen, dass ihrer Ehe - aus der sieben Kinder hervorgingen - nur wenig Zeit auf Erden beschieden sein würde. Voller Zuversicht und Vertrauen in die Zukunft erbauten die Eheleute 1910 vor der heutigen Pfarrkirche eine Pension, die sie schlicht «Pension Julen» nannten. Doch bereits vier Jahre später nahm ihr Glück ein jähes Ende: Andreas Julen starb an einer Lungenentzündung. Jetzt kamen harte Zeiten auf die Witwe und allein erziehende Mutter von sieben Kindern zu. Obwohl der Betrieb hoch verschuldet war, kam es Pauline niemals auch nur in den Sinn, die Pension zu verkaufen. Gemeinsam mit ihren Kindern, die schon von frühster Jugend an mit anpacken mussten, führte sie die Pension Julen gegen alle Hindernisse beharrlich weiter - bis mein Vater, Meinrad Julen, mit 18 Jahren die Hauptverantwortung übernahm.

«Wir haben die Zimmer zu 8 Franken pro Person in Vollpension vermietet und dabei immer noch Geld verdient!» Wie oft uns Vater davon erzählt hat! Mit dem hart erarbeiteten Verdienst erwarb die Familie 1936 dann ein kleines Stück Bauland in der «Steinmatte» - und errichtete darauf, dem schweizweiten Hotelbauverbot von anno dazumal zum Trotz, das neue Hotel Julen. Obwohl noch keine Konzession vorhanden war, eröffnete die Familie 1939 den Betrieb. Man stelle sich vor, wie viele Bussen und Ermahnungen die «Julens» wortlos hinnehmen mussten! Erst Anfang der 40er -Jahre wurde die Konzession schliesslich doch noch erteilt. Ungeachtet dessen lief das Geschäft - das damals noch ein reines Sommergeschäft war - von Anfang an vorzüglich. Noch im Verlauf der 40er-Jahre entschieden sich einige Zermatter Hoteliers, ihren Betrieb versuchsweise und um eines kleinen Zusatzverdienstes willen auch während der Wintermonate offen zu lassen. Schon bald stellten sie jedoch fest, dass für eine lukrative Wintersaison beträchtliche Investitionen vonnöten waren. Die rührigen Zermatter Hoteliers packten den Stier bei den Hörnern: In der Überzeugung, dass man ihr Dorf zum schönsten Wintersportort der Welt ausbauen könne, investierten sie in ihren Glauben in die Zukunft. Und sollten darin nicht enttäuscht werden . . .

1947 ehelichte Meinrad Julen die Unterbächnerin Olgi Julen-Furrer; aus der Ehe gingen sieben Kinder - vier Buben und drei Mädchen - hervor. Die Hoteltradition hat sich so in unserer Familie weiter verankert und fortgesetzt: Vier von uns Geschwistern führen in Zermatt renommierte Hotelbetriebe, die sehr oft unter der Marke «Julen Hotels» gemeinsam vermarktet werden. Nebst dem Hotel Daniela und dem Romantikhotel Julen handelt es sich dabei namentlich um das Hotel Alpenhof, das Hotel Mirabeau und das Hotel Europe. Eine meiner Schwestern leitet mit ihrem Mann in Küsnacht bei Zürich ein Traditionshaus der gehobenen Klasse.

Das Hotel Julen in der «Steinmatte» wurde im Lauf der Jahre des Öfteren umgebaut. Aus dem Saisonbetrieb wurde ein Ganzjahresbetrieb. Mein Vater erwarb in der Blüte des Tourismus immer wieder Bauland; so kamen zusätzlich zum Hotel Julen nach und nach die Hotels Europe und Mirabeau hinzu. Das Hotel Alpenhof wurde 1983 von meinem ältesten Bruder Hans-Peter und seiner Frau erbaut. 1981 übernahmen meine Frau Daniela Julen-Burgener und ich die Geschäftsführung des Hotels Julen, das im selben Jahr einer Totalrennovation unterzogen wurde. Im Verlauf der nachfolgenden Jahre und im Sog der wachsenden Ansprüche unserer Gäste bauten wir den Betrieb kontinuierlich aus: Wir bereicherten ihn mit einer grosszügigen Wellness - Landschaft inklusive Hallenbad, womit wir zum Viersternhotel avancierten. Seit 1982 gehört das Haus der internationalen Hotelkette «Romantikhotels International» an und nennt sich «Romantikhotel Julen».

Meine Frau Daniela und ich haben drei mittlerweile erwachsene Kinder: Paul Marc, Sophia und Rebecca. Paul Marc und Rebecca haben sich entschieden, in die Fussstapfen ihrer Eltern zu treten und die Hoteltradition Julen weiter zu führen - müssig zu erwähnen, wie sehr meine Frau und ich uns darüber freuen. Aber auch unsere Tochter Sophia schätzt es, während ihrer Semesterferien in den elterlichen Betrieben mit zu arbeiten. Paul Marc führt seit drei Jahren nebst seiner Ausbildung an der Hotelfachschule Luzern mit viel Engagement und Herzblut die hauseigene Bar «Papperla Pub» sowie unseren «Schneewittchen»-Club. 2008 wird er die Hotelfachschule in Luzern abschliessen.

Rebecca, unsere Jüngste, übernimmt im Winter 2007/08 die Führung des Tochterbetriebs Hotel Daniela. Es ist anzunehmen, dass auch diese Generation unserer Familie wieder Hotelgeschichte schreiben wird. Sicher wird das «Julen», wie unser Haus von Einheimischen vertraulich genannt wird, weiterhin zahlreiche Gäste aus aller Welt beherbergen und ihnen Hort des Wohlbehagens und Willkommens sein.

Zermatt, im August 2007


Romantik Hotel Julen, Daniela & Paul Julen, Riedstrasse 2, CH-3920 Zermatt
Tel. +41 (0)27 966 76 00, Fax +41 (0)27 966 76 76, info@julen.com, www.julen.com
Last modified: Jun 10, 2009